Reisebericht: Knoydart Trail 2015 Teil 2

Erste Schritte auf (einigermaßen) bekanntem Boden

Nachdem wir die legendäre Brücke hinter uns gelassen haben hieß es vorwärts. Da die Anreise immer etwas länger dauert, wurde es bereits allmählich dunkel als wir die erste Holzbrücke überquerten. Mehr und mehr Erinnerungen strömten in unsere Köpfe und wir erkannten Schritt für Schritt die Umgebung und ihre Besonderheiten wieder. Anfangs lagen noch ein paar neu gebaute Häuser hier, ein frischer Weg da – doch je weiter wir uns von der Straße entfernten, desto weiter gingen wir auf der berühmten „memory lane“.

 

Ein paar hundert Meter von unserer ersten Bothy (Hütte) entfernt, sahen wir das Hotel (?) im Berg und den Fluss, welchen wir bei unserem ersten Besuch noch blindlings durchquerten – wir wollten auf unserer Tour unbedingt eine Flussüberquerung machen. In weiser Voraussicht mieden wir diese leicht unnötige Aktion und folgten weiter dem Weg bis zur Hütte. Dieses mal stand sie leer, so dass wir unsere Zelte im Rucksack lassen konnten und nicht auf matschigem Moorboden nächtigen mussten.

Bothylove in Knoydart.

Die über den ganzen Weg verteilten Bothys sind einfach nur der Hammer. Nach einem durchregneten Tag, an dem man vielleicht nicht mehr unbedingt die größte Motivation aufbringt, ein Zelt aufzubauen (im Regen natürlich), bieten diese Unterkünfte eine gute Möglichkeit sich zu sammeln. Viel mehr sollte man nicht erwarten, man sollte sich eher überraschen lassen. Mal funktioniert der Kamin, mal steht man nach wenigen Minuten im Rauch, mal gibt es Feuerholz, mal nicht. Aber wenn alles zusammenspielt hat man einen sehr schönen Abend und freut sich über jede prasselnde Windböe, die auf die steinerne Bothywand hereinbricht, während man in aller Ruhe Mahlzeiten zubereiten und durchnässte Sachen aufhängen kann.

Der nächste Morgen

Gestärkt und einigermaßen ausgeruht packten wir also nun unsere Sachen und öffneten die Türe zum Knoydart Trail. Bewölkt aber immerhin trocken begrüßte uns die raue schottische Landluft und vertrieb sofort alle Midges für uns. Gegen Midges hilft übrigens nichts wirklich, Antimoskitocreme juckt die nicht und Mückennetze im Zelt scheinen für die Biester festliche Eingangshallen zu sein. Man muss sie einfach akzeptieren, sollte nicht wild herumhampeln (Aktivität und Schweiß ziehen nur noch mehr an) und schnell sein Zelt zusammenpacken. Ist man unterwegs, stören die Midges eigentlich kaum, sind sie doch viel zu langsam um hinterher zu kommen.

Wir folgten also dem Weg unsere erste Anhöhe hinauf, vorbei an Flüssen und üppigem Grün. Die übliche schottische Landschaftsidylle halt. Wir kamen an einem in Erinnerung gebliebenen Wasserfall vorbei uns als wir auf der Spitze des Hügels standen und das Tal überblickten, wussten wir schon was dort auf uns warten würde – die „Oase“.

Trekking Schottland Knoydart

Die Oase, die Bratkartoffeln & der Regen

Als wir 2010 unsere ersten Meter auf dem Knoydart Trail machten, war das Bothy belegt und wir mussten draußen schlafen. Alles kein Problem, am nächsten Morgen war das Bothy leer und wir frühstückten erst einmal ausgiebig was die, mit 24 kg bepackten, Rucksäcke hergaben (Pfannkuchen mit Snickers ist nur ein Beispiel.). Frisch gestärkt überwanden wir den gleichen Hügel wie einen Absatz zuvor und wagten uns hinab in das Tal, als unsere Augen einen perfekten (nicht übertrieben) Zeltplatz erspähten. Zwischen zwei kleinen Hügeln gelegen und von einem Baum geschützt lag sie einfach da, die Oase. Auf dem ersten Hügel gab es sogar eine felsige Sitzmöglichkeit mit Feuerstelle, vom zweiten Hügel aus konnte man das restliche Tal sehr gut überblicken. Dort aßen wir Bratkartoffeln, hatten einen kleinen Bach mit Trinkwasser und scheiterten kläglich daran, ein Feuer zu machen.

Die Oase am Knoydart Trail 2010

2015: von der Oase war nicht mehr allzu viel übrig, Witterung, Steine und Co haben ihre Arbeit getan und dem Baum den Rest gegeben. Leicht enttäuscht und voller Nostalgie trieb uns der Regen weiter ins Tal hinab, weiter bis zur nächsten Bothy…

Bothy Nummer 2

 

 

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